Mit einer unwirschen Handbewegung schob ich das Klappergestell, das mit seinem Hund vor dem Eingang zur Kneipe stand, beiseite. Dann war ich drin. Qualm von der Decke bis an den Boden, ein leichtes Brennen in den Augen. Ich hatte die Kneipe einige Wochen gemieden, nachdem ich bei meinem letzten Besuch morgens um halb 9 am Tresen erwacht war und der Wirt mich unter üblen Beschimpfungen verjagt hatte.
Ich blickte in zwar bekannte, aber nicht vertraute Gesichter. Ich stolperte an der Theke entlang, nickte dem Wirt zu, der grimmig zurückschaute.
Um die Ecke saß Habros mit vier anderen am Tisch. Ich nahm zu seiner linken Platz.
Kurze Begrüßung. Habros winkte den Wirt herbei, bestellte für den Tisch Weinschorle. Groß, weiß, sauer. Die Beschreibung passte auch auf den Typen zu seiner rechten. Der Wirt verlangte beim Servieren der Getränke umgehend, daß diese bezahlt werden. Ich labte mich bereits an meiner Brühe, während Habros noch bezahlte. Mit einem schiefen Grinsen schob er dem Schankwirt einen 50er hin.
Mein Gegenüber, eine verschlagen dreinblickende Kreatur mit Triefaugen, riss einen schlechten Witz. Ich lachte herzhaft. Sein Nebensitzer sah sich veranlaßt eine Anekdote aus seinem Leben zum Besten zu geben . Irgendwas mit einer Frau, ich hörte nicht richtig hin, lachte abermals. Der Große und der vierte im Bunde, der sich allem Anschein nach für den Hübschen der Gruppe hielt, hatten sich bis jetzt zurückgehalten. Nachdem aber der Nebensitzer seine Geschichte erzählt hatte, bekundeten beide, daß sie ihm kein Wort glauben würde, da selbst wenn die Frau tatsächlich so häßlich war wie beschrieben, sie sich trotzdem bestimmt nicht mit solch einem Versager, wie ihm, abgegeben hätte.
Ich nahm einen weiteren großen Schluck. Schlager aus der Anlage. Wiederholung eines Fußballspiels auf dem, über unseren Köpfen hängenden, Fernsehbildschirm. Habros gab mir einen Stoß in die Seite, mit einer jovialen Geste reichte er mir seine Schachtel Zigaretten. Steuermarke aus einem fernen Land. Ich nahm bereitwillig, und begann zu rauchen.
Die Unterhaltungen blieben weiter ohne Substanz, was aber weder mich noch sonst jemanden am Tisch zu stören schien. Wir tranken uns langsam in die Zwischenwelt. Eine Reisegruppe von Leuten, die sich nicht für die Mitreisenden, sondern nur für das Reiseziel interessieren.
Als wir, nach unzähligen geleerten Gläsern und gefüllten Aschenbechern, im ersehnten Zustand angekommen waren, hatte ich für die anderen Touristen nur noch Verachtung übrig. Ich begann also Getränke umzuwerfen, auf der Toilette zu pöbeln, gegen den Zigarettenautomaten zu treten und all diese Dinge, die man – oder besser gesagt(um therapeutisch korrekt zu bleiben) ICH so tue wenn es mal wieder richtig schön ist.
Wie der Abend endete kann ich leider nicht mehr wiedergeben, denn ich erwachte mit einem Loch im Kopf in meinem Bett. Die Kneipe meide ich dieses Mal bis zum nächsten Mal.
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