Nach einer langen Nacht hatte ich kein Geld mehr für ein Taxi und so musste ich zu Fuß zurück zur Basis kommen. In meinen sportlichen Rieker-Schlappen -rechts hatte sich die Sohle, nach einer Hetz, schon zum Teil abgelöst- ging ich durch den Wald. Der Tag brach an. Mir war kalt, ich wollte ein Bier. Die Sonne stach mit Nadeln in meine Augen. Wenigstens kann mir hier überall pissen gehen.
Ich schlug mich durch das Unterholz und fühlte mich wie ein richtiger Extremsportler.
Bald war es auch schon vorbei mit der Naturverbundenheit und ich erreichte die Peripherie eines Ortes. Das Industriegebiet. Direkt aus dem Wald kam ich an eine Straße. Es gab Parkplätze auf denen Wohnwagen standen. Frauen rauchten Zigaretten, unterhielten sich aus den Fenstern der Wohnwagen heraus. Ich ging weiter in Richtung einer großen Halle. Ich überlegte ob es hier irgendwo einen kleinen Imbiss geben könnte. Der Gedanke an eine Wurst und ein Bier trieb mich vorwärts. Aus einer der zahlreichen Hallen kamen plötzlich vier Männer. Sie kamen direkt auf mich zu.
„Na, Freundchen was machst du hier?“
Ich erklärte ihnen, daß ich nach einem Lokal suchen würde. Hauptsache was zu Essen und ein Bier. Sie hätten da genau das Richtige für mich, war ihre Antwort. Ich war hoch erfreut, alles lief wie geplant.
Wir gingen ein Stück, plötzlich schlug die Stimmung um. Die Typen drehten sich um, kamen auf mich zu. Zwei packten meine Arme. Sie nahmen mir meinen Geldbeutel ab, in dem sie nichts fanden ausser 1 und 2 Cent-Stücken. Dann packten sie meine Hände und brachen mir meinen linken Gesellschaftsfinger. Ich wurde ohnmächtig vor Schmerz, da half selbst die Alkoholbetäubung der Nacht nicht. Es wurde wieder Nacht und im nächsten Moment war ich auch schon wieder wach, so kam es mir vor. Ein Auto raste auf den Gehweg zu, auf dem ich lag. Die Fingerbrecher waren weg.
Das Auto hielt filmreif neben mir an. Die Tür wurde von innen aufgestoßen. Ein Stimme aus dem Wagen:“Schnell kommen sie rein!“
Ich gehorchte. Im Auto sah es ziemlich schäbig aus. Die Asche, von den vielen Kippen überall, lag in der Luft; ich versuchte möglichst flach zu atmen. In meine Lungen kommt nur Rauch und Wasser. Die Person zur Stimme war eine ziemlich breitgebaute Frau. Sie war nicht schön. Ihr Bartwuchs war stärker als meiner, ich war neidisch. Doch die schwarze Lockenfrisur mit dem durchsichtigen roten Hut hypnotisierte mich.
„Wo soll’s hingehen Fremder?“, fragte die bizarre Fahrerin.
Ich erklärte den Weg, allerdings einige Straßen entfernt von dem Ort, zu dem ich eigentlich wollte. Unangenehme Stille herrschte während wir durch den Ort jagten. Ich überlegte ob es sinnvoll wäre aus dem Wagen zu springen. Trotz meines unguten Gefühls erreichten wir mein Ziel sicher. Ich sagte ihr Lebwohl und Dankeschön, für die Fahrt. Nachdem ich den Wagen verlassen hatte griff sie sich in die Haare und es stellte sich heraus, daß diese ein Perücke waren. Der geschminkte Schädel, von keinem anderen als, Franz Quecksilber kam zu Tage.
„Es war mir wieder einmal eine Freude, ihr Franz Quecksilber!“, sprach er und winkte mir mit den falschen Haaren zu. Ich konnte nicht sprechen. Er trat das Gas durch. Ich konnte nichts mehr sagen.
Bei einem Getränk versuchte ich das Geschehene zu verarbeiten.
Dabei stellte ich fest, daß es Schlimmeres gibt als einen gebrochenen Gesellschaftsfinger.
Den benutze ich sowieso nur selten.
Nachwort: Dank an Ernst Habros, der mich in der Zeit meines Hirnfiebers versorgt hat.