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Während HugoMontenegro noch immer zu faul ist den Arsch hochzubekommen um sich diesen wenigstens mal abzuwischen, hat Ernst Habros gemeinsam mit The Silly Movement Association ein interessantes Pamphlet mit CD gemacht. Sollte man unbedingt mal gehört, aber vor allem gekauft haben. Wer an die Umwelt denkt  schreibt eine Email an letsgetintouch(at)hotmail.com und bekommt es dann direkt aus dem Fichtelgebirge im Odenwald zugeschickt. Dort wird das Heft vorher noch in Elfenstaub getaucht (wenn ihr wisst was ich meine)

Also kaufen!

Hier nochmal Text für die, die Englisch können:

Reinterpretation of the I803 children’s rhyme classic of „Humpty Dumpty off the Wall“ by Traditional Mother Goose. Inspired by the lyrical adaption of the silliest person in the whole wide univers: Jack Hartmann.

Ernst Habros produced a Silly Soundtrack CD of I0 tracks. The booklet and the poster are printed with a Risographon on fragile eggshell-yellow bible paper.

Limited Edition of I00! (Still available)

The Silly Movement Association
20I4

http://printedmatter.org/catalog/38654

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Früher wünschte ich mir dumm zu sein, heute weiß ich, daß ich es bin.

R.I.P. Paul Bearer

Der Fall des Macho Man Randy Savage

In stillem Gedenken

 

First track from the coming album on billionair ship owners, their multinational companies, adventures on high sea and jet set lifestyle.

Think of driving down the sea front in a convertible, European sports car while talking on the carphone about business.

Zuerst nahm ich es nur aus den Augenwinkeln wahr. Hielt es für eine Halluzination. Doch dann blickte ich den Kugelschreiber, der vor mir auf dem Tisch lag, genau an. Keine Frage, er wackelte. Ich schaute mich nach der Quelle des Wackelns um. Fenster gab es hier im Raum nicht, auch keine andere Menschen, ich saß alleine in meinem Büro. Außer dem Stift wackelte Nichts. Das Wackeln wurde stärker. Der Schreiber flackerte in meinen Augen. Die Irritation wurde so stark, daß ich ihn packen musste. Er hörte mit seinem merkwürdigen, ungehorsamen Verhalten  nicht auf. Ich warf ihn durch die Gegend, er machte weiter. Ich bückte mich um ihn aufzuheben, wieder dieses Wackeln. Es wollte nicht aufhören. Die Wände stimmten in den Ungehorsam ein. Stärker und stärker. Alles wackelte. Bis schließlich die Wände herunterfielen. Und meine Kleidung. Meine Haut fiel ab. Und schließlich mein Skelett. Ich war nackt. Selbst mein Selbst begann zu wackeln. Es gibt mich nicht mehr.

Anmerkung des Verfassers: Dieser Tagebucheintrag stammt aus dem Jahrhundertwinter 2008

Die letzten Wochen waren etwas kalt für mich, besonders nachdem meine Heizung ausgefallen war. Ich hatte keine Lust Irgendjemanden mit der Reparatur zu beauftragen und so hielt ich mich, zu Beginn, die meiste Zeit in meinem Bett auf und trank Schnäpse. Nach einigen Tagen jedoch war es auch im Bett nicht mehr auszuhalten.
Rückenschmerzen, der Gestank von verschiedensten Körperausdünstungen.
Nach 6 Tagen im Bett fand ich endlich die Kraft mich aus meiner Ruhestätte zu erheben. Allerdings war es immer noch kalt, ich überlegte wie ich der Kälte entkommen könnte, bald hatte ich eine Lösung gefunden. Ich machte mich auf den Weg in die Stadt, um mich dort in Buchhandlungen rum zu treiben. Meine Entscheidung fiel aus folgenden Gründen auf Buchhandlungen:
Sie sind geheizt und ich ging auch davon aus, dass man mich dort nicht so schnell rauswerfen würde.
Diese Einschätzung war leider nicht ganz richtig. In der ersten wurde man nach 3 Stunden auf mich aufmerksam. Ich schlief zwischen den Regalen auf dem Fussboden. Als ich aufgeweckt wurde murmelte ich etwas von „Bücher richtig in mich aufnehmen“ was den guten Buchmann aber nicht davon abhielt mir mit der Polizei zu drohen, falls ich mich nicht sofort aus seinem Laden schere.
Auch im zweiten hielt ich es nicht sonderlich lange aus. Auf die Aussage der Verkäuferin, dies sei keine Bücherei, antwortete ich, sie würde schließlich auch kein Auto kaufen ohne es vorher probegefahren zu sein. Sie fand es nur halb so witzig wie ich und rief die Polizei. Hausverbot in einer Buchhandlung- öfter mal was neues.
So schlich ich durch die Gegend ganz betrübt, daß mir niemand Unterschlupf gewähren wollte.
Doch dann fand ich den richtigen Laden, schön verwinkelt, nicht richtig zu übersehen vom Personal und dazu nur eine Frau an der Kasse, die damit beschäftigt war Kaffee zu trinken und zu lesen.
Ich betrat den Laden, murmelte ein „Tag“ in Richtung Kasse, schnell verschwand ich zwischen den Regalen.

Als es 6 Uhr war kam die Frau von der Kasse zu mir, um mir zu sagen, daß sie jetzt den Laden zu machen würde, ob ich etwas kaufen wolle. Ich sagte, ich sei mir noch nicht sicher, ich müsse nochmal wiederkommen um mir den Bildband, eines dieser riesigen Bücher, die mindestens genauso viel kosten wie 50 Bier, genauer zu betrachten. Das sei kein Problem. Ich hatte es geschafft, dachte ich mir, eine Tagesunterkunft bis der Frühling kommt.
Zu Hause wickelte ich mich in einige Decke und dämpfte mich zum grenzdebilen Roboter herunter. So war die Nacht auszuhalten.
Die folgenden Tage ging ich jeden Morgen, nachdem ich von der Kälte geweckt worden war, in die Buchhandlung, verschwand gegen Mittag in eines der Kaufhäuser und kehrte nach einigen Stunden wieder zurück in meine Buchhandlung, wie ich sie inzwischen in Gedanken schon nannte. Es war alles perfekt keine Kunden außer mir und eine ruhige, zurückhaltende Verkäuferin, die sich scheinbar nicht an meinem Treiben störte. Bald fand ich heraus warum.
Eines Abends, es war wieder mal 6 und Zeit für mich zu gehen, fragte sie mich, was ich denn sonst so machen würde. „Ach wissen sie ich bin auf der Suche.“ „Auf der Suche nach was?“ „Verschiedenste Dinge und Angelegenheiten, das würde jetzt zu kompliziert werden näher darauf einzugehen.“ „Das klingt aber interessant. Nun wissen sie, mir ist aufgefallen, daß sie seit 2 Wochen schon in unseren Laden kommen. Ich glaube ich weiß warum“.
Schweiß begann an meinem ganzen Körper zu tropfen. Ich hasse es wenn mich jemand durchschaut.
Noch bevor ich antworten konnte, sagte sie: „Wissen sie ich find‘ sie auch nicht schlecht. Also wenn sie Lust haben auf Kino oder sowas. Ich würd‘ sie auch gern näher kennenlernen.“ Vom Regen in die Traufe blitzte es in meinem Kopf. Aber was sollte ich tun. Ich heuchelte Interesse und versprach
mit ihr auszugehen – irgendwann. Nicht daß sie mir nicht gefallen hätte, aber ich wußte mit mir würde sie eine schwere Zeit haben, und die wollte ich uns beiden ersparen. (vor allem mir)
Doch was sollte ich tun? Die schöne Buchhandlung aufgeben? Niemals!
Auf meine Zussage fragte sie sofort, was ich heute noch machen würde. Ich war überfordert, zuviel Lügen auf einmal, noch dazu war ich nicht mal richtig angeheitert. Ich gluckste und stockte, bis sie mich soweit hatte noch am selben Abend mit ihr ins Kino zu gehen. Der Film war mäßig spannend, ich mäßig betrunken, sie mäßig hübsch.
Immerhin würde ich jetzt ungestört den ganzen Tag in der warmen Buchhandlung verbringen können. Auch einige Abende in ihrer hübschen, sauberen, geheizten Wohnung standen in Aussicht. Ich ließ mich also darauf ein.
Ein Kuss vor der Haustür, nur nicht zu viel wollen.
Die nächsten Tage verbrachte ich wieder in ihrer Buchhandlung. Ich merkte an ihrem Blick, daß für sie die ganze Geschichte immer ernster wurde, doch als sie mich Samstags mittags fragte ob ich mit zu ihren Eltern kommen wolle am Abend, wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst was ich angerichtet hatte. Ich war gefangen. Ein Zurück gab es nicht, nicht für mich. Als schwacher Mensch, der ich bin, ist das Neinsagen fast unmöglich für mich.
Und so ging ich mit einem Magenkrampf und einer Einladung zum Essen bei den Eltern meiner Buchhändlerin.
Zu Hause war es noch immer kalt. Ich fühlte mich überhaupt nicht gut. Warum auch immer, aber mit älteren Menschen, die ein eher geregeltes Leben führen hatte ich schon immer Schwierigkeiten warm zu werden. Ist mit meinen Eltern auch nicht anders. Wahrscheinlich liegt das daran, daß diese Leute nicht genug TV schauen.
Es half aber alles nichts, ich hatte zugesagt. Also machte ich mir einen therapeutischen Cocktail, der mich sozial verträglich, aber nicht zu exaltiert, werden lassen sollte.
Um 19:00 Uhr ging es los. Ich kam mit einer, für meine Verhältnisse, sehr geringen Verspätung von 15 Minuten bei den Eltern der Buchhändlerin an. Ich fühlte mich noch schlechter. Mit verschwitzten Händen klingelte ich.
Ein kräftiger Mann öffnete mir die Türe. Er stellte sich mir als M. vor. Er arbeite beim Ordnungsamt. Ein schlechtes Zeichen für mich. Darauf angesprochen was ich so tun würde, sagte ich meine Tätigkeit sei sehr umfangreich. Ich würde viel mit bekannten Persönlichkeiten zu tun haben (zumindest wenn ich mein Geschäft verrichte, werfe ich hin und wieder einen Blick in diverse Klatschblätter). Sein Blick verriet mir, daß ich ihm suspekt war. Er hatte die Geschichte nicht wirklich geschluckt. Gerade als der Ordnungsmann nachhaken wollte, wurde er von seiner Frau, die gerade aus der Küche kam, unterbrochen. „M. lass deine ewige Fragerei. Ihr könnt ja schon mal ins Wohnzimmer gehen und ein Bier trinken, bis ich mit dem Essen fertig bin.“ Er bellte ein „Na gut“ zurück. Das Wort Bier hatte meine Anspannung etwas gelöst. Doch gleichzeitig wußte ich, daß nun die schwerste Übung folgen würde. -Nur nicht das Bier zu sehr genießen-
Wir gingen also ins Wohnzimmer, und es sollte sich bald herausstellen, daß der gute Mann auch Trinker war, dies aber geschickt hinter der Fassade des Genießer verstecken konnte. Er machte uns 2 Pils auf. Ich wollte schon die Flasche ansetzen, da bemerkte ich, wie er kunstvoll den Inhalt seiner Flasche in ein Glas schüttete. Wie im Fernsehen. Ich kippte meins ebenfalls in ein Pilsglas.
„Prost!“
Ich schaute mich um. Die Gemütlichkeit des Wohnzimmers ließ mich fast einschlafen. Auf der Couch lag ein Kissen, auf dem eine Katze zu schlafen schien. Der Ordnungsmann bemerkte, daß ich dies meine Aufmerksamkeit erregte. „Das ist unsere Minzi, vor 2 Jahren gestorben. Hab sie dann ausstopfen lassen von einem Bekannten, der macht das als Hobby. Das Wichtigste an so einem Tier ist ja, daß man es streicheln kann. Und das geht ob es lebt oder tot ist.“ Ich lobte die Handwerkskunst des Präparators. Wir nahmen beide einen großen Schluck aus unseren Gläsern. Schweigen. Kramphaft überlegte ich mir ein Gesprächsthema. Ich sagte irgendetwas über Fußball. Riesenfehler. Er durchschaute mein Halbwissen nach ungefähr 3 Kennersätzen seinerseits. Wieder Schweigen.
Dann der erlösende Ruf der Mutter: „Zu Tisch!“ Wir gingen ins Esszimmer, er hinter mir, wahrscheinlich damit er mich im Auge behalten konnte.
Es gab Suppe vorweg. Ich beherrschte mich so gut es ging und löffelte die Suppe ohne zu schmatzen. Dabei trank ich eifrig vom Bier. Das Erste war leer und der Hausherr holte neues. Die Frauen des Hauses nahmen einen zum Essen passenden Wein ein. Während des Essens bemühte ich mich möglichst viel zu Essen, zum Einen um für die nächste Zeit ausreichenden genährt zu sein, zum Anderen um möglichst wenig über mich Preis geben zu müssen. Wenn ich doch antworten musste gab ich möglichst allgemein gültige, ungenaue, ausweichende Antworten. Durch die viele Fragerei begann ich zu schwitzen. Noch vor dem Nachtisch war es so schlimm, dass mich die Mutter fragte ob es mir gut gehe. Ich erkannte meine Chance. Ich fasselte von einer verschleppten Grippe und entschuldigte mich in Richtung der Toilette.
Ich verschloss die Tür hinter mir, öffnete das Fenster und kletterte hinaus in die kalte Welt.